1880 Neue Blätter

Vor der Veröffentlichung von Follas novas (dt.: Junge Blätter oder Neue Blätter) im Jahr 1880 wird das Erscheinen von Rosalías zweiter großer Gedichtsammlung auf Galicisch bereits mehrmals angekündigt: zunächst 1872 in einer Anzeige der zweiten Auflage der Cantares Gallegos (dt.: Galicische Lieder), dann 1874 im Januar in der Zeitschrift El Heraldo Gallego (dt.: Der Galicische Bote) aus Ourense und im Juni im Diario de Santiago (dt.: Santiago-Zeitung) aus Santiago de Compostela sowie 1878 im El Eco de Galicia (dt.: Das Echo Galiciens) aus Havanna. Manuel Murguía folgend, entsteht der Großteil der Gedichte aus Neue Blätter bereits zwischen 1870 und 1871 in Simancas.

Editiert wird das Werk im Verlagshaus Alejandro Chaos La Propaganda Literaria (dt.: Die Literarische Werbung) in Havanna, gedruckt wird der Gedichtband aber in Madrid. Bezüglich des genauen Zeitpunktes der Erscheinung von Follas novas auf dem Buchmarkt schwanken die Meinungen der modernen Editoren zwischen Frühjahr/Sommer und Oktober 1880.

Manuel Murguía arbeitet seit 1878 wieder mit den Brüdern Chao zusammen, die er noch aus der Zeit bei La Oliva kennt. Obwohl Murguía (und somit Castro) schon seit 1878 die Möglichkeit hat, FN drucken zu lassen, wird es aber noch gut zwei Jahre dauern, bis dies tatsächlich geschieht. Vielfältige Gründe werden für die Verzögerungen der Publikation erwähnt.

Ernennungsurkunde Rosalía de Castros zum Ehrenmitglied der  Wohltätigkeitsgesellschaft der Galicischen Landsleute in Havanna
Ernennung Rosalía de Castros zum Ehrenmitglied der ABNG. Mit freundlicher Genehmigung der Real Academia Gallega. 2015

In den Veröffentlichungs-zeitraum der Junge Blätter fällt auch die am 11. Januar vorgeschlagene und am 8. Oktober 1880 offiziell gefeierte Ernennung Rosalía de Castros zum Ehren-mitglied des Ende 1879 in Havanna auf Betreiben Waldo Álvarez Ínsua (Direktor der dort erschei-nenden Wochenzeitung El Eco de Galicia, s.o.) gegründeten Centro Gallego (dt.: Galicien Zentrum). Mit der Veröffentlichung der Neuen Blätter ist Rosalía de Castro also schon bei zwei galicischen Institutionen auf Kuba Ehrenmitglied (sp.: socia de honor), denn 1872 hat sie diese Auszeichnung auch von der Wohltätigkeitsgesellschaft der Galicischen Landsleute in Havanna (gal.: Sociedade Beneficencia dos Naturales de Galicia na Habana) erhalten. Diese Ereignisse und die Drucklegung von Follas novas in Havanna deuten auf ein besonders enges Verhältnis Rosalía de Castros zu den galicischen Emigranten auf Kuba hin, denen sie auch das eindringliche Gedicht ¡Pra a Habana! (dt.: Auf nach Havanna!). Ihre Verbundenheit mit der Sociedade Beneficencia dos Naturales de Galicia na Habana und den galicischen Emigranten in Übersee drückt sie auch in ihrer auf den 23. Februar 1880 datierten Widmung aus, die sie also einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag verfasst hat.

Die überlieferten Rezeptionsstimmen legen die Vermutung nahe, dass der Gedichtband Follas novas um Ende August bzw. Anfang September auf dem Markt ist. Am 23. 9. 1880 erscheint Nicolás Taboada Fernándezs Rezension im Faro de Vigo (dt.: Vigos Leuchtturm), am 28. 9. 1888 wird die Besprechung Alfredo Vicentis in La Ilustración Gallega y Asturiana (dt.: Das Galicische und Asturianische Bildungsblatt, und am 24. 11. und 23. 12. 1880 erscheint ein Artikel in Fortsetzung in der Gaceta de Galicia (dt.: Zeitung Galiciens). Die Kritik äußert sich durchweg sehr positiv über Rosalía de Castros zweite Gedichtband auf Galicisch. Follas novas gehört heute zu den Hauptwerken der galicischen Literatur-geschichte überhaupt und kann in Hinblick auf die literarische Qualität mit En las Orillas del Sar gleichgesetzt werden.

Negra sombra (dt.: Schwarzer Schatten) ist das wohl bekannteste Gedicht aus Follas novas. Meine erste deutsche Übersetzung von Negra Sombra, die ich im Jahre 2000 auf meiner ersten Internetpräsenz zur Rosalía de Castros Leben und Werk veröffentlichte, wird gern zitiert und findet so einen Weg zum deutschen, niederländischen und auch wieder zurück zum galicischen Publikum.

Schwarzer Schatten

Als ich dachte, du wärst fort,
schwarzer Schatten, der mir folgt,
kehrtest spottend du zurück,
schrecktest mich aus meinem Schlaf.

Als ich glaubte, du wärst gegangen,
zeigtest du dich im selben Schein,
wie ein strahlend’ Stern,
wie des Windes wehender Hauch.

Und wenn sie singen, so singst du,
und wenn sie weinen, so weinst doch du;
du bist des Flusses Rauschen,
du bist die tiefe Nacht und das Morgengrauen.

Du bist in Allem und bist alles
für mich, denn du wohnst in mir
und du wirst niemals mich verlassen,
Schatten, der mir ständig folgt.

Negra sombra

Cando penso que te fuches,
negra sombra que m’ asombras,
ó pé dos meus cabezales
tornas facéndome mofa.

Cando maxino qu’ es ida,
no mesmo sol te m’ amostras,
eres a estrela que brila,
eres o vento que zoa.

Si cantan, es ti que cantas;
si choran, es ti que choras;
es o marmurio do río,
es a noite, i es a aurora.

En todo estás e ti es todo
pra min i en min mesma moras,
nin m’ abandonarás nunca,
sombra que sempre m’ asombras.

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