1861 Flavio

Rosalía de Castros zweiter Roman, Flavio (Ensayo de Novela), wird als Feuilletonroman zwischen dem 21. Januar und dem 8. April 1861 in der Zeitschrift Chronik beider Welten (sp.: Crónica de ambos mundos ) veröffentlicht und verlässt im nämlichen Jahr das Druckhaus der Zeitschrift in Buchform. Beide Male unterzeichnet die Autorin mit der Kurzform R. de Castro. Bei ihrer zweiten Romanveröffentlichung verschleiert die Autorin ihre weibliche Identität. Leider sind nach bisherigem Stand der Forschung keine Quellen zur Rezeption des Romans  bekannt.

Flavio Leonardo de Bredivan, „último de los Bredivan”, beschließt nach dem Tod der Eltern, seinen Palast und seine paradiesische Heimat zu verlassen, um die Freiheit in der Welt zu suchen (Kap. I-IV). Nach kurzer Reise und erstem frustrierten Kontakt mit den ihm unbekannten Konventionen dieser Welt (Kap. V-XIII), befindet er sich nach einem Sturz in einer Herberge, in der auch Mara mit ihrer alten Gouvernante zu Gast ist. Die Frauen wollen den Gestürzten unbedingt kennen lernen (Kap. XIV), weshalb dieser, nun aus Scham, aus der Herberge flieht (Kap. XV). Später, Mara ist mittlerweile in ihrem Landhaus, beobachtet er, wie sie in einem ekstatischen Zustand ihre selbst geschriebenen Gedichte zerstört (Kap. XVI). Flavio fühlt sich mit der Dichterin Mara seelenverwandt (Kap. XVII und XIX). Nachdem er seinen Nebenbuhler Ricardo kennen gelernt hat, ringt er Mara einen Liebesschwur ab, den er aber bald darauf wegen eines beobachteten Treffens mit Ricardo verraten glaubt (Kap. XX). Er kehrt zur Herberge zurück, wo er Rosa, die Tochter der Herbergswirtin, welche bereits vorher (Kap. XVIII) sein Interesse geweckt hatte, in verzweifelter Lage wiedertrifft: Nach dem Tod von deren Mutter droht nun die Pfändung des Gasthauses. Doch kann Flavio sie vor dem wirtschaftlichen Ruin retten, da sich herausstellt, dass er der Erbe des Hauses ist (Kap. XXIII). Die Tante enthüllt daraufhin die uneheliche Herkunft der Nichte und erklärt dem irritierten Flavio, was „Ehre der Frau” bedeutet. Flavio verlässt das Haus, Rosa folgt ihm, stürzt in einen See, aus dem sie von Flavio gerettet wird. Leute nähern sich, und Rosa muss Flavio darauf aufmerksam machen, dass seine Anwesenheit nun ihre Ehre gefährdet (Kap. XXV). Er gelangt in die Stadt, besucht Mara schließlich auf ihrer tertulia und macht sich dort durch sein Auftreten lächerlich. Später wirft er ihr den Bruch des Liebesschwures vor und entzweit sich mit ihr (Kap. XXVI). Nach der baldigen Versöhnung lehrt sie ihn, sich zu ‘benehmen’, d.h. seine wahren Gefühle zu verbergen, um „salvar las apariencias” (Kap. XXVII). Der Liebesschwur wird erneuert, aber Ricardo drängt sich abermals zwischen die Liebenden (Kap. XXVIII), woraufhin Flavio die Stadt wieder verlässt. Mara wird durch die Boshaftigkeit Ricardos der angebliche Ehrverlust Rosas durch Flavio suggeriert (Kap. XXIX), der daraufhin tatsächlich mit Rosa ein ihre ‘Ehre’ gefährdendes Liebesverhältnis beginnt. Flavio kommt wieder in die Stadt und begeht einen Selbstmordversuch (Kap. XXX). Sein Retter, der junge Arzt Luis, der Mara ebenfalls liebt, führt ihn wieder bei Mara ein, die ihm aufgrund des Gerüchts über sein Verhältnis mit Rosa Untreue vorwirft und ihn daraufhin zurückweist (Kap. XXXI). Sie löst ihrerseits endgültig ihre Beziehung zu Ricardo (Kap. XXXII). Flavio verlangt von Mara die Heirat, aber als ihm Gerüchte über ihre zweifelhafte Ehre zugespielt werden, bezichtigt er nun Mara der Untreue. Auf sein Bitten und als Treuebeweis verspricht sie nun, dem anstehenden Karneval fernzubleiben (Kap. XXXIII). Flavio dankt ihr in der Karnevalsnacht für das Einhalten ihres Versprechens und will am nächsten Tag förmlich um ihre Hand anhalten. Auf dem Weg zu seiner Wohnung trifft er Luis, der ihn während des Festes mit Prostituierten zusammenbringt, um einen „verdadero hombre” aus ihm zu machen. Am nächsten Tag erklärt er Mara, dass er nicht mehr an ihre Tugend glauben könne. Er werde gehen und erst dann zurückkehren, wenn er sie weniger liebe. Einige Jahre später erfährt Mara, dass Flavio sich mit einer scheußlichen alten Millionärin verheiratet hat und wieder auf Bredivan lebt. Rosa hat sich aus Gram über die Heirat Flavios zusammen mit dem aus der Liaison hervorgegangenen Kind umgebracht.

In ihrem zweiten Roman Roman scheint Rosalía de Castro vielfältige eigene Lebenserfahrungen zu verarbeiten: Eine Frau zwischen zwei Männern (Aguirre/Murguía?), Selbstmord (Aguirre beging wahrscheinlich Selbstmord) Unehelichkeit (Castro selbst war uneheliches Kind, die Rolle der schreibenden Frau in der Gesellschaft u.a.

 

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