Vorabveröffentlichungen zu “A mi madre” – Für meine Mutter

Für die mittlerweile bereits veröffentlichte Neuausgabe der frühen Gedichte habe ich zwei Vorabveröffentlichungen eingestellt. Es handelt sich um zwei Gedichte aus dem 1863 veröffentlichen Zyklus A mi madreFür meine Mutter.  Dort finden sich auch interessante Hinweise zu meinen neuesten Recherchen.

Am 24. Juni 1862 stirbt in Santiago de Compostela die Mutter Rosalía de Castros, Doña María Teresa de la Cruz de Castro y Abadía. Im Sterberegister des Stadtarchivs von Santiago finden wir auf der entsprechenden Seite 8 des Folianten den Eintrag:
San Andrés.- Nummer 324. Santiago am vierundzwanzigsten sechsten acht- zehhundertzweiundsechzig. Heute ist Doña Teresa de Castro y Abadía hier verstorben, gebürtig aus La Retén, Gemeinde Padrón, Provinz La Coruña, im Alter von 55 Jahren, alleinstehend, erkrankt an organischem Herzleiden, sie hat kein Testament gemacht. Sie lebte in der Straße Villar Nummer 20. Sie wurde auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Eltern, Don José María de Castro y Salgado, von Beruf Grundbesitzer und Doña Josefa Abadía, aus ihrem Herkunftsdorf Padrón, Provinz Coruña.
Im Kirchenregister des Heiligen Apostel Andreas in Santiago de Compostela finden wir folgenden Eintrag:
Am 25. Juni 1862 wurde auf dem Hauptfriedhof dieser Stadt der Leichnam der Doña Teresa Castro y Abadía beigesetzt, alleinstehend und im Alter von 55 Jahren am Vortag an organischem Herzleiden verstorben, wie aus dem Totenschein des Mediziners Don Manuel Corral hervorgeht. Sie war die Tochter des Don José María de Castro und der Doña Josefa Abadía, beide gebürtig aus der Kleinstadt Padrón. Aufgrund ihres plötzlichen Todes hat sie keinerlei Heilige Sakramente empfangen, und die Trauerfeier wurde in der Pfarrkirche durch die sieben Vizepfarrer durchgeführt. Das bestätigte ich durch Unterschrift und Datum ut supra. Lizenziat Antonio Ituarte.

Obwohl aus beiden Dokumenten hervorgeht, dass Teresa de Castro im Alter von 55 Jahren gestorben sei, war sie tatsächlich schon 57 Jahre alt, da sie am 24. November 1804 geboren worden ist. Rosalía de Castro hat ihre Elegie Für meine Mutter bereits am 24. Juli 1862 veröffentlicht. Die erste bekannte Veröffentlichung des Trauergedichts finden wir auf den Seiten 271 bis 272 des Album de la Caridad (La Coruña), es ist dort das zweite Gedicht, trägt hier aber noch keinen Titel. 1863 wird die Elegie dann in Vigo beim Verleger Juan Compañel als Broschüre unter dem Titel Für meine Mutter gedruckt. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Privatdruck. Es sollen nicht mehr als fünfzig nummerierte und persönlich adressierter Einzelausgaben veröffentlicht worden sein. Diese sind wohl alle verloren gegangen. Meine Übersetzung bezieht sich auf einen Nachdruck, welcher sich in der Bibliothek der Königlich Galizischen Akademie in La Coruña befindet (Signatur F 6945). Eine weitere, bisher wenig beachtete Veröffentlichung der Elegie Für meine Mutter findet sich auf Seite 63 der andalusischen Frauenzeitschrift La moda elegante vom 22. Februar 1863. Ein Exemplar dieser Zeitschrift kann dank der Nationalbibliothek zu Madrid digital konsultiert werden. Es handelt sich hierbei allerdings lediglich um einen Teilabdruck der beiden Anfangsgedichte und der Gedichte des Hauptteils. Die drei Gedichte, welche Abschluss der Elegie bilden, finden wir in der andalusischen Zeitschrift nicht.

Lange Zeit hat man außer den beiden oben erwähnten amtlichen Dokumenten nicht viel mehr über die Mutter Rosalía de Castro erfahren können und das, obwohl aufgrund des Umfangs der Elegie Für meine Mutter und der zeitlichen Nähe zur Veröffentlichung der Galicischen Lieder (1863) Rosalías literarische Reaktion auf den Tod der Mutter bemerkenswerte genealogische, biografische oder sozio-historische Aspekte zum Literaturverständnis liefern können. Diese Fragestellungen haben die literarische Forschung aber bisher größtenteils leider nicht aufgeworfen bzw. hat sich die Literaturwissenschaft kaum sehr interessiert.

María Xesus Lama schließt in ihrer 2017 veröffentlichten neuen Biografie zu Rosalía de Castro erfreulicher Weise diese Lücke und macht uns erstmals auch mit Hintergründen aus dem Leben von Rosalías Mutter Teresa de Castro bekannt. Darüber hinaus wird in ihrer Biografie wird deutlich, dass Rosalía nicht den melancholischen Charakter besaß, auf den sie die traditionelle Rezeptionsgeschichte bislang festgeschrieben hat. López Lema zeigt uns eindrucksvoll und detailreich, dass unsere Galicierin ein fröhliche Person war.

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