Rosalía

Rosalía de Castro, um 1880.
Rosalía de Castro: Foto von Luis Sellier, wahrscheinlich um 1880 (PD). Mit freundlicher Genehmigung der Real Academia Galega (RAG).

Die Droste mit ihren Versen kraftvoller Herbheit ist uns Deutschen vertraut; Rilke hat die leidenschaftlichen Sonette der Elizabeth Browning-Barrett in unsere Sprache übertragen; Emily Dickinson, die Amerikanerin, ist in den letzten Jahren mit Bewunderung auch hier gelesen worden – aber die Gestalt Rosalia de Castros ist von deutschen Lesern noch zu entdecken. Sie, die in ihrem Lebensgefühl und in ihrem Werk diesen Dichterinnen wohl wesensverwandter war als den damaligen spanischen Dichterkollegen, wurde erst nach ihrem frühen Tod im Jahr 1885 in ihrer Bedeutung erkannt. Mit nichts war sie angetreten: weder Vermögen noch Schönheit, keine soziale Stellung und auch kein literarischer Salon gaben ihrem Schreiben einen wirksamen Hintergrund. Mit drei Gedichtbänden aber schuf sie ein Werk, das einzigartig ist in der spanischen Lyrik. Denn niemand sprach mit ähnlicher Eindringlichkeit wie sie in ihren Gedichten vom verborgensten, angstvollen Inneren des Menschen.

(Klappentext zu An den Ufern des Sar, Insel Verlag, 1987)