Galicien – Galicia

Catedral de Santiago de Compostela. Santiago Pazos Ramos © 2012
Die Kathedrale in Santiago de Compostela. Foto mit freundlicher Genehmigung von Santiago Pazos Ramos © 2012.

Der Jakobsweg. Santiago de Compostela und seine Kathedrale. Finisterre. Galicien! Mittlerweile sind diese Orte in Deutschland wieder bekannt, denn der Nordwesten Spaniens hat in den letzten zwanzig Jahren eine Renaissance bei uns erfahren.

Zur Verbreitung der Galicischen Kultur, Sprache und Literatur tragen weltweit viele galicische Institutionen und Lektoratsprogramme bei.

Darunter erfreut sich das von Gabriel Gabriel Pérez-Durán geleitete Galicien-Zentrum der Universität Heidelberg besonders großer Beliebtheit und eröffnet den Besuchern und Studierenden viele interessante Perspektiven.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends kann Galicisch sogar an einigen deutschen Universitäten studiert werden.

Aber wer kennt Rosalía de Castro (1837-1885)?

Rosalía de Castro, die Mutter der Galicischen Nation, die mit Goethe vergleichbare Nationaldichterin, – Rosalía de Castro, die in Galicien vielleicht sogar wichtiger ist als der Heilige Jakobus. Wer kennt Rosalía in Deutschland ?

Zeichnung Rosalía de Castros von Antonio Portela Paradela (1865-1927)
Posthume Zeichnung Rosalía de Castros von Antonio Portela Paradela (1865-1927). Entstanden 1902. [Public domain], via Wikimedia Commons.
http://gl.wikipedia.org/wiki/Ficheiro:Rosalia_de_castro.jpg
Einige interessierte Pilgerreisende und Literaturliebhaberinnen mögen Rosalía de Castro wohl kennen, schließlich liegt ihr Gedichtband En las orillas del Sar An den Ufern des Sar seit 1987 in der Übersetzung von Fritz Vogelgsang vor.

Auf dem Frontispiz der Ausgabe Vogelgsangs befindet sich eine fototechnische Bearbeitung nach der nebenstehenden Zeichnung, die Antonio Portela Paradela 1902 posthum von Rosalía de Castro angefertigt hat.

Sie zeigt die Dichterin in den 1880er Jahren.

Gedichte aus ihren beiden galicischsprachigen Hauptwerken (Cantares Gallegos – Galicische Lieder und Follas Novas – Junge Blätter), welche die Wiedergeburt bzw. das „Wiedererscheinen“ (Rexurdimento) der modernen galicischen Literatur markieren, sind nur schwer zu finden. Immerhin sind hier und da verstreut bereits Einzelübersetzungen erschienenen. Dennoch: Die spanische und galicische Lyrik Rosalía de Castros nicht zu kennen und nach Galicien zu gehen ist in etwa so wie Spanien zu bereisen, ohne Cervantes und seinen Don Quijote zu kennen. Das geht, zweifellos. Aber denjenigen entgeht auch sehr viel.

Das kollektive Bewusstsein Galiciens als Nation gründet sich auf Rosalía de Castro und ihren beiden genannten Gedichtbänden Cantares Gallegos und den Follas Novas. Und dass die Lyrik Rosalías bis heute fasziniert, inspiriert und ihre literarische Gültigkeit bewahrt hat, davon legen so unterschiedliche Musikerinnen und Musiker wie der Folkmusiker Carlos Núñez und die Rock-Pop-Sängerin Luz Casal, die Liedermacherin Najla Shami oder die Rapperin AID beredetes Zeugnis ab.